Kalichemie

Die Nutzung von Bodenschätzen und der Abbau von Altlasten

Seit 1901 im Bau wurde 1906 der Betrieb im Sehnder Kaliwerk "Friedrichshall" aufgenommen. Das in Sehnde gewonnene Kalisalz wurde hauptsächlich zur Produktion von Düngemitteln genutzt, welche aufgrund des gesteigerten Nahrungsmittelbedarfs durch die wachsende Bevölkerung der Industrialisierung dringend benötigt wurden. Schon bald wuchs die Nachfrage, so dass zu dem ersten Schacht mit über 500 Metern Tiefe ein zweiter Schacht mit über 800 Metern Tiefe ausgehoben wurde – die Belegschaft wuchs auf über 130 Mann allein unter Tage an [1] . Zu Hochzeiten betrug die Belegschaftsanzahl 1960 um die 1390 über und unter Tage [2] .

Nachdem in den Jahren 1919/28 der Mittellandkanal gebaut und unmittelbar an Sehnde vorbeigeführt worden war, erhielt 1928/29 das Kaliwerk einen eigenen Werkshafen. Die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens wurde dadurch gesteigert, konnte man doch nun auf dem billigen Wasserwege die eigene Fabrikation versenden und die benötigte Kohle für das eigene Kesselhaus herbeitransportieren. Die ebenfalls verbesserten Be- und Entladevorrichtungen ermöglichen seitdem einen schnellen Umschlag von den Waggons auf die Frachtkähne und umgekehrt.

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Spätestens seit dem gesteigerten Bedarf an Düngemittel in der Nachkriegszeit wurde auch Kainit-Dünger ins Ausland exportiert; die Anlagen in Sehnde wurden erneut ausgebaut.

Nicht alles, was aus der Erde gefördert wurde, konnte sinnvoll für die Düngerproduktion genutzt werden. Hinzukamen Abfallmineralien und Stoffe aus der Produktion selbst. Diese Stoffe wurden schließlich zum auch heute noch weithin sichtbaren Kaliberg aufgeschüttet. 1975 Betrug die Höhe dieser Halde bereits 70 Meter – heute ist der Berg aufgrund zusätzlicher Aufschüttungen zur Nutzbarmachung, Begrünung und dem teilweisen Angleichen an die Landschaft auf über 150 Meter gewachsen. [4]

Abbildung 1 : Das Kaliwerk "Friedrichshall", der Kaliberg und der Werkshafen am Mittellandkanal, ca. 1970

Auch nach seiner Schließung 1981 ist das Sehnder Kaliwerk eng mit dem Mittellandkanal verbunden. Nach der Aufgabe der Arbeit in Kalistollen ist es erforderlich, diese entsprechend "nachzubearbeiten" und schließlich zu fluten.

Die Bergverordnung des Oberbergamtes Clausthal, heute Landesbergamt für Niedersachsen, schreibt für stillgelegte Kaligruben eine Flutung der Hohlräume in einem überschaubaren Zeitraum zwingend vor. Grund ist die Tatsache, dass die unterirdischen Hohlräume nicht auf Dauer vor einem Zufluss geschützt sein können. Die Kenntnisse über das Ersaufen von Kaligruben ließen diese Maßnahme unabdingbar notwendig erscheinen. Zur Flutung können unterschiedliche unbedenkliche Flüssigkeiten genutzt werden.

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Die Flutung des Stollens „Friedrichshall“ wurde und wird unteranderem auch durch das Süßwasser aus dem MLK. Die Flutung durch das Kanalwasser konnte über eine direkte Einspeisung vorgenommen werden, da sich die Gruben in unmittelbarer Nähe zum Kanal befanden, und die Anlage – damals wie heute erkennbar – auch über einen Werkshafen verfügte.

1981 wurde die Aufgabe und die anschließende Flutung des Werkes mit Lauge von der Halde Friedrichshall beschlossen. Für den Transport der Lauge und die Einbringung über den Schacht Carlshall erstellte man eine Leitung entlang des Stichkanals nach Hildesheim, der Grubenanschlussbahn und über ein Stück freies Feld.

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Die heutige Betreiberfirma äußert sich in einer Pressemitteilung vom 19.Februar 2021, dass die Flutung noch im Laufe des Jahres 2021 abgeschlossen würde. Damit sei die Nutzung des Kanals aber noch nicht beendet. 2023 sollen über den Mittellandkanal Salzwässer zum Kaliwerk "Sigmundshall" in Wunstorf transportiert werden, welches 2018 aufgrund von Materialerschöpfung stillgelegt wurde.

Die Entscheidung für die Binnenschiff-Variante ist letzten Endes deshalb getroffen worden, weil sie mit vergleichsweise geringen Beeinträchtigungen ermöglicht, Spitzenlasten des Salzwasseraufkommens mit Bahn und Schiff anstatt LKW zu transportieren und sie zur Flutung des Bergwerks Sigmundshall zu verwenden.

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Dieser Wassertransport sollen aufgrund standortspezifischer Überlegungen von Sehnde aus stattfinden, da man dort – aufgrund der Flutungen von "Friedrichshall" – bereits Erfahrungen gemacht habe und auf dem Kaligelände sowohl eine Verbindung zur Eisenbahn als auch zum Kanal bestehe.

Autorin: Jana Lange


Abbildungsverzeichnis

  1. Ortschronik S.693

Fußnoten

  1. vgl. Ortschronik, S.688f.
  2. vgl. Ortschronik, S. 698
  3. Ortschronik, S.689
  4. Ortschronik, S.691f.
  5. Zeitreise 12, S.47
  6. Zeitreise 7, S.12
  7. Presseinformation K+S, S.1f.

Literatur

  • K+S AG: Presseinformation. Logistikkonzept für Salzwassertransporte: K+S wird ab 2023 den Mittellandkanal nutzen. Sehnde, 19. Februar 2021. https://www.kpluss.com/de-de/.pdf/standorte/bergmannssegen-hugo/news/2021/kpluss-bergmannssegen-hugo-20210219-presse-logistik-vsw2.pdf, zuletzt eingesehen am 21.08.2021
  • Meyer, Adolph: Sehnde. Vom Bauernhof zur Industriegemeinde. Herausgegeben von der Stadt Sehnde. Celle 1975. [Im Text als "Ortschronik" bezeichnet]
  • Stadtarchiv Sehnde: Die Ziegeleien in Sehnde. Die Zeitreise. Ausgabe 2. Sehnde 2007.
  • Stadtarchiv Sehnde: Die Geschichte von Hohenfels. Die Zeitreise. Ausgabe 7. Sehnde 2012.
  • Stadtarchiv Sehnde: Mergel, Salz und weitere Bodenschätze Abbau und seine Folgen in Sehnde. Die Zeitreise. Ausgabe 12. Sehnde 2019.