Naherholung

Außerindustrielle Kanalnutzung in Sehnde

Neben dem Kanal und den Wegen an ihm entlang bieten heute insbesondere die Aufschüttungen des Aushubmaterials („Kippen“) vom Bau des Mittellandkanals interessante Ausflugsmöglichkeiten für Naturbegeisterte. Diese Kippen wurden mittlerweile teilweise zu Landschaftsschaftsschutzgebieten erklärt und beherbergen heute eine Vielzahl verschiedener Tier- und Pflanzenarten. [1]

Nicht wenige Gemeinden eröffneten im Kanal Schwimmbäder, die im Sommer rege besucht wurden. Stellvertretend sei hier das Bolzumer Bad angeführt, das bis 1967 Bestand hatte. Ab diesem Termin wurde das Baden nicht weiter von den Behörden unterstützt. Die Kanalbadeanstalten wurden sämtlich geschlossen. Die Wasserqualität entsprach nicht mehr den Anforderungen des Gesundheitsamtes.

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Abbildung 1 : Bolzumer Kanalbadeanstalt um 1930 mit Umkleidekabine; im Hintergrund eine der Bolzumer "Kippen", ca. 1930

Diese Empfehlung des Gesundheitsamtes wie auch der beständige Schifffahrtsverkehr hindert damals wie heute die begeisterten Ortsansässigen nicht daran, den Kanal bei geeigneten Temperaturen zum Baden zu benutzen.

Abbildung 2
Abbildung 3

Nicht nur den Badefreudigen beschert der Kanal seit seinem Bau Freude: Spaziergänger*innen wie auch Radfahrer*innen nutzen den Kanal bei geeignetem Wetter für spontane Ausflüge, und auch Angler*innen bietet der Kanal eine Möglichkeit, ihrer Freizeitbeschäftigung nachzugehen – eine Freizeitbeschäftigung, die die Menschen auch damals zu nutzen wussten. So schildert der Bäckermeister und nebenerwerbstätige Geflügelzüchter Heinrich Kohl, wie sein Sohn am Kanal (vermutlich in den 1970ern) angelt:

Wettet Se, dat mit de Häuhnertucht dat is sone Leidenschaft von meck. Min Sohn de hat ja ok sone Leidenschaft. De sitt alle Dage am Kanal un halt seck da nen natten Ars mit sinen verdammten Fischefangen. Dat is ja nix! Segget Sei mal sülben, wat daue eck mit ner Leidenschaft, wenn se nix inbringet!

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Abbildung 4 : Sonntäglicher Spaziergang am Kanal, im Hintergrund ein alter Kahn, zwischen 1966 und 1970

Auch Schifffahrtsbegeisterte und Kanufahrende tummeln sich auf den Kanal machen den Binnenschiffern auf dem Kanal Konkurrenz. In Sehnde ist hier eine der zentralen Anlaufstellen der Verein "Motorboot-Club Sehnde e.V.", der bereits 1984 gegründet wurde. Auch das Rudern zählt schon lange zur Naherholung der Sehnder Bevölkerung – seit Ende der 1950er Jahre bestand der "Ruderverein im Großen Freien". [4]

Autorin: Jana Lange

link: Webseite des Motorboot-Club Sehnde e.V. link: Mehr zum Thema "Naherholung" am und auf dem Kanal!

Abbildung 5 : Ein Motorboot auf dem Weg in den Hafen, August 2021

Ort: Kippe beim „Ladeholz“ (Sehnde)

Diese Kippe bestehend aus dem ausgehobenen Erdmaterial vom Bau des Mittellandkanals ist heute dicht von Gräser, Sträuchern und Bäumen überwachsen. Das Gebiet bietet einem breiten Spektrum von Flora und Fauna einen Lebensraum, darunter Wildschweinen, Rehwild und diversen Eulenspezies. Im Winter bei genügend Schneefall dienen die von Pflanzen freigehaltenen Aufstiege als Rodelstrecken für Familien. Außerdem ist auf der Kippe wie auch im angrenzenden Papenholz der Waldkindergarten Sehnde beheimatet, der Kinder von früh auf das Lernen anhand der und über die heimische Natur ermöglichen soll. Die Kindergruppen werden gemäß dem Konzept ganzjährig im Wald betreut.


Abbildungsverzeichnis

  1. Zeitreise 6, S.19
  2. Lange; Familienbesitz
  3. Lange; eigene Aufnahme

Fußnoten

  1. Vgl.Zeitreise VI: S.11
  2. Zeitreise 6, S.18
  3. Ortschronik, S.142
  4. Vgl. Ortschronik, S.820

Literatur

  • Meyer, Adolph: Sehnde. Vom Bauernhof zur Industriegemeinde. Herausgegeben von der Stadt Sehnde. Celle 1975. [Im Text als "Ortschronik" bezeichnet]
  • Stadtarchiv Sehnde: Die Erweiterung des Mittellandkanals im Bereich Sehnde zur Europaschifffahrtsstraße und der Neubau der Schleuse Bolzum. Die Zeitreise. Ausgabe 6. Sehnde 2011.