Die Schleuse Sülfeld

Ingenieurskunst im Wandel der Zeit

Abbildung 1 : Die Schleuse Sülfeld von oben

Als Besucher der Schleuse Sülfeld kann man Ingenieurskunst im Wandel der Zeit betrachten. Wenige Meter trennen dort die frühere Ingenieurskunst von der heutigen, modernen Ingenieurskunst. Dieser Kontrast ist ein besonderes Charakteristikum der Schleuse Sülfeld, die eine Doppelschleuse in der Nähe von Wolfsburg darstellt. Sie besteht aus einer Nordkammer und einer Südkammer. Mit ihrer Einweihung und der des Schiffshebewerks in Rothensee am 30. Oktober 1938 kam es zur Freigabe der Osthaltung des Mittellandkanals. Dadurch wurde es möglich den Mittellandkanal vom Rhein bis zur Elbe zu befahren. Die Schleuse war bereits 1937 fertiggestellt, aber sie kam erst 1938 in Betrieb, da sie ein Jahr lang erprobt wurde.

Die Schleuse dient dazu, einen Höhenunterschied von 9 Metern zwischen der Scheitelhaltung und der Osthaltung des Mittellandkanals zu überwinden, weil hier zwei Kanalabschnitte aufeinandertreffen. Da es sich bei dem Mittellandkanal um ein künstliches Konstrukt handelt, wurde damals bei der Planung darauf geachtet, wo es sich lohnt eine Schleuse zu bauen. Der Standort in Sülfeld bot dafür gute Voraussetzungen. Zum einen war dort der Höhenunterschied vorhanden. Zum anderen gab es auch genügend Platz. Verantwortlich für die Wahl des Standortes war die Vermessungstechnik.

Im Zuge des Ausbaus des Mittellandkanals war auch eine Anpassung der Schleusenanlage in Sülfeld erforderlich, da die Schiffe auf dem Mittellandkanal mit der Zeit größer geworden sind. Aus diesem Grund wurde die Südkammer 2004 abgerissen und bis 2008 neu gebaut, wobei sie bereits in der Vergangenheit oft repariert werden musste, weil sie Bauschäden aufwies. Nun wurde die Kammer so angepasst, dass auch größere Schiffe die Schleuse ungehindert passieren konnten. Kleinere Schiffe können aber weiterhin über die Nordkammer geschleust werden. Somit stellt die Nordkammer ein Beispiel der früheren Ingenieurskunst dar, weil sie seit 1938 besteht, und die Südkammer repräsentiert die moderne Ingenieurskunst. Den Kontrast zwischen alt und neu kann man direkt nebeneinander betrachten.

Die Nordkammer

Von der ursprünglichen Doppelschleuse aus dem Jahr 1938 ist heute nur noch die Nordkammer erhalten, da die Südschleuse neu erbaut wurde. Der Auftraggeber für den Bau war das Deutsche Reich und die Bauzeit betrug 30 Monate. Die Nordkammer ist somit mit Technik aus den 1930er Jahren ausgestattet. Des Weiteren wird die Kammer von beiden Seiten mit jeweils drei offenen, fächerartig angelegten Sparbecken umgeben. Diese Sparbecken halten 60% des erforderlichen Schleusungswassers zurück und werden über Zylinderschütze gesteuert. Bei dem Obertor handelt es sich um ein Klapptor. Am Untertor ist ein Hubtor vorzufinden. Dadurch können die Binnenschiffe in die Schleusenkammer hinein oder aus der Schleusenkammer herausgeschleust werden.

Die Südkammer

Wie bereits erwähnt, können über die Südkammer größere Schiffe geschleust werden. Sowohl die Nord- als auch die Südkammer werden heutzutage über Funk aus einer Steuerzentrale der Südkammer gesteuert. Bei dem Obertor handelt es sich dabei im Gegensatz zur Nordkammer um ein Drehsegmenttor und das Untertor ist ein Stemmtor. Angetrieben wird das Obertor durch Elektrohubzylinder. Diese sind im Vergleich zu ölhydraulischen Antrieben umweltfreundlicher. Darüber hinaus bemühte man sich beim Neubau um eine Standardisierung möglichst vieler Bauteile. Mithilfe von Längskanälen und Sparbeckenzuläufen kann die Schleusenkammer befüllt oder entleert werden. Des Weiteren ist ein Pumpsystem mitinstalliert. Dadurch leert sich die Schleuse von allein. In der Nordkammer ist das nicht der Fall.

Abbildung 16

Steckbrief

Nordkammer Südkammer
Fallhöhe 9,00 m 9,00 m
Nutzlänge 225 m 225 m
Kammerbreite 12 m 12,50 m
Drempeltiefe 3,00 m 4,00 m
Obertor Klapptor Drehsegmenttor
Untertor Hubtor Stemmtor
Inbetriebnahme 1938 2008
(Vgl. wna-hannover.wsv.de , zuletzt besucht am 26.08.2021 um 10:00 Uhr)

Ingenieurskunst im Wandel der Zeit - Unterschiede und Veränderungen zwischen den beiden Schleusen

In der folgenden Tabelle sind noch einige Unterschiede zwischen den beiden Kammern aufgelistet. Dabei handelt es sich um ausgewählte Beispiele. Die Tabelle ist somit nicht vollständig.

Veränderung/Unterschied Nordkammer (frühere Ingenieurskunst) Südkammer (moderne Ingenieurskunst)
Größe Kleinere Schiffe werden durch die Nordkammergeschleust Durch die Anpassung der Südkammer können auch größere Schiffe geschleust werden
Steuerung und Anzahl der dafür nötigen Arbeiter Heutzutage wird die Nordkammer aus der Steuerzentrale der Südkammer über Funk ferngesteuert (ein Mitarbeiter)
Früher saßen pro Kammer auf jedem Steuerstand ein bis drei Mitarbeiter
Steuerung über Funk (ein Mitarbeiter)
Zukunftsvision: Steuerung der Schleuse Sülfeld aus einer Steuerzentrale in Hannover
Technik
  • Obertor: Klapptor
  • Untertor: Hubtor
  • Drei Zylinderschütze
  • Zahnräder
  • Nischenpoller
  • Elektroantriebe (Fett)
  • früher Schlosser nötig
  • mechanisch
  • Obertor: Drehsegmenttor
  • Untertor: Stemmtor
  • Drucktüren
  • Strahldüsen
  • Schwimmpoler
  • Elektrohubzylinder (Strom)
  • heute Elektriker nötig
  • elektronisch
Pumpsystem kein Pumpsystem mit installiert Pumpsystem mit installiert
Charakteristika Zylinderschütze in Kombination der Sparbeckenanordnung Kontrast alt und neu
Schleusensiedlung früher:
  • Residenzpflicht (Mitarbeiter wohnten in Schleusensiedlung)
  • Supermarkt/Kiosk für Binnenschifffahrer
heute:
  • heute keine Residenzpflicht
  • unter Denkmalschutz

Bilder

Abbildung 17 : Schleusensiedlung
Abbildung 18 : Postkarte
Abbildung 19 : Luftaufnahme der Schleuse Sülfeld
Abbildung 20 : Pumpenhaus
Abbildung 21 : Eisenbahnbrücke
Abbildung 22 : Eisenbahnbrücke
Abbildung 23 : Modell der Schleuse Sülfeld

Videos

Die folgenden beiden Videos dienen dazu einen kurzen Einblick zur Schleuse Sülfeld zu gewähren. Am besten eignet sich dafür jedoch ein eigener Besuch.

Die Nordkammer

Die Südkammer

Fazit

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Schleuse Sülfeld sowohl ein Beispiel früherer Ingenieurskunst ist als auch ein Beispiel moderner Ingenieurskunst. Sie repräsentiert den Wandel der Zeit.

Autorin: Carolin Okwieka


Abbildungsverzeichnis

  1. stadtreporter.de, zuletzt besucht am 26.08.2021 um 10:00 Uhr
  2. wna-hannover.wsv.de, zuletzt besucht am 26.08.2021 um 10:00 Uhr)
  3. wikipedia.org, zuletzt besucht am 26.08.2021 um 10:00 Uhr
  4. akpool.de, zuletzt besucht am 26.08.2021 um 10:00 Uhr
  5. youtube.com, zuletzt besucht am 26.08.2021 um 10:00 Uhr
  6. wolfsburg-citytour.de, zuletzt besucht am 26.08.2021 um 10:00 Uhr
  7. wolfsburg-citytour.de zuletzt besucht am 26.08.2021 um 10:00 Uhr

Die Bildquellen wurden unter den dazugehörigen Bildern angegeben. Bei den restlichen Bildern handelt es sich um eigene Aufnahmen.

Textquellen

Internetquellen

Literaturangaben

  • Dehnert, Hans: Schleusen und Hebewerke. Berlin 1950.
  • Reichsverkehrsministerium: Der Mittellandkanal. Berlin 1938.
  • Wischmeyer, Nadja: Der Mittellandkanal. Landschaft - kultivierte Landschaft – Kulturlandschaft. Eine Untersuchung zur materiellen Landumnutzung in der industriellen Moderne. Hannover 2019.

Weitere Quellen

  • Informationstafeln bei der Schleuse Sülfeld
  • Austausch mit Carmen Müller, Leiterin der Außenstelle Vorsfelde des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Uelzen, am 10.6.2021.