Häfen in der Region Braunschweig

Hafen Braunschweig

Der Bau des Mittellandkanals wurde von der Stadt Braunschweig begrüßt, denn Braunschweig verfügte aufgrund der zunehmenden Versandung der Oker seit den 1760er Jahren über keine Wasserstraßenanbindung mehr. Der Mittellandkanal bot der Stadt Braunschweig somit die Gelegenheit, wieder eine Hafenstadt zu werden.

Der erste Plan für den Bau des Hafens entstand 1928. Dieser sah vor, einen 22 km langen Stichkanal zum Braunschweiger Vorort Ölper zu bauen und dort den Hafen zu errichten. Aus technischen und finanziellen Gründen entschied man sich schließlich für den Bau des Hafens direkt am Hauptkanal.

Abbildung 1 : Luftbild 1933

Der Bau des Hafens begann 1930, am 13. Mai 1934 konnte er eröffnet werden.

Bis zur Fertigstellung des Mittellandkanals bei Magdeburg 1938 erfolgte der Schiffsverkehr von Braunschweig aus nur in Richtung Westen.

In den 1970er Jahren wurde der Hafen mit zwei Parallelhäfen ausgebaut.

Bis zur Grenzöffnung zur DDR 1989 wurde der Hafen in Braunschweig als Grenzhandelshafen genutzt. Dort wurden Güter in West- bzw. Osttonnage umgeladen. Dies war erforderlich, um die Schiffe leichter zu machen und sie an den niedrigen Wasserstand der Elbe anzupassen, die für den Transport in den Osten genutzt wurde. Ein Leichtern der Schiffe in Braunschweig war günstiger als in Magdeburg, da die DDR dafür Geld verlangte.

Abbildung 2 : Stau im Hafen

Wenn der östliche Teil des Kanals in Wintern noch nicht von den DDR- Behörden geräumt worden war oder das Schiffshebewerk Rothensee defekt war, stauten sich die Schiffe im Braunschweiger Hafen.

Nach der Grenzöffnung verlor der Hafen seine Bedeutung als Grenzhandelshafen, was zur Abwanderung vieler Speditionen und Lagereibetrieben führe. Die Hafenbetriebsgesellschaft wurde zu einem reinen Logistikdienstleister umstrukturiert. 2001 wurde ein Parallelhafen nochmals ausgebaut und ein Containerterminal errichtet.

Abbildung 3 : Der Hafen während seiner Funktion als Grenzhandelshafen

Heute hat der Hafen Braunschweig eine Gesamtfläche von 63ha, davon beträgt die Fläche des Containerterminals 38.000 m^2. Der Hafen besitzt zudem eine eigene Hafenbahn mit einem Gleisnetz von 15km Länge.

Hafen Salzgitter

Der Hafen Salzgitter wurde in einem Stichkanal erbaut. Grund für den Bau des Hafens waren die Kriegsvorbereitungen der Nationalsozialisten. Im Jahr 1937 wurden in Salzgitter die „Reichswerke Hermann Göring für Erzbergbau und Eisenhütten“ gegründet. Dort sollten Eisenerze aus dem Vorharz verhüttet werden, um die Abhängigkeit von Auslandsimporten zu verringern. Die Anlieferung von Kohle und der Abtransport der Produkte sollten auf dem Wasserweg über den Hafen und den Stichkanal erfolgen. Daher drängte die Regierung auf eine schnelle Fertigstellung des Stichkanals und des Hafens.

Abbildung 4 : Blick auf das Hafenbecken der Reichswerke

Finanzielle Mittel, die eigentlich für den Ausbau des Dortmund- Ems- Kanals vorgesehen waren, wurden für das neue Bauprojekt in Salzgitter genutzt und man verzichtete auf den Bau von effizienten Sparbecken für die beiden Schleusen im Stichkanal. Die Regierung plante eine Inbetriebnahme für Anfang 1940. Tatsächlich konnte der Stichkanal mitsamt Hafen erst am 02. Dezember 1940 in Betrieb genommen werden.

Nach Kriegsende wurden die „Reichswerke Hermann Göring“ aufgelöst. In den Nachkriegsjahren wurde der Hafen vor allem für den Abtransport von Demontagegütern und Stammholz aus dem Harz genutzt, was Reparationsgut für die Briten war.

Abbildung 5 : Betrieb im Stichkanal 1951

Nach dem Demontagestopp der Stahlwerke (ehemalige Reichswerke) 1951 stieg der Güterverkehr in Salzgitter wieder an.

Nach der Eröffnung des Elbe- Seitenkanals 1976 wurde der Stichkanal an die größeren Schiffe angepasst. 1995 wurde der Stichkanal für 9,50m breite Schiffe mit 2,80m Tiefgang freigegeben.

Heute befindet sich am Ende des Stichkanals der Privathafen der Salzgitter AG. Davor liegt der Hafen Salzgitter- Beddingen, der von den Verkehrsbetrieben Peine- Salzgitter betrieben wird. Insgesamt werden auf dem Stichkanal Salzgitter jährlich etwa 2,8 Mio. Tonnen Güter transportiert und der Hafen gilt heute als größter Binnenhafen in Niedersachsen. Der wichtigste Ziel- und Herkunftshafen für die Schiffe, die aus und nach Salzgitter kommen, ist der Hamburger Hafen. Zudem verfügen Hafen und Stichkanal noch über Möglichkeiten zum Ausbau und zur Modernisierung.

Abbildung 6 : Blick auf Privathafen der Salzgitter AG

Ehemaliger VW- Werkshafen

Nachdem der Ausbau des Mittellandkanals bis nach Magdeburg im Oktober 1938 vollendet war, entstand eine neue Stadt direkt am Kanal. Im Februar 1938 begannen bereits die Arbeiten zum Bau des Volkswagenwerks östlich von Fallersleben. Kurze Zeit später begann man auf der Südseite des Kanals mit dem Bau erster Wohnsiedlungen der „Stadt des KdF- Wagens bei Fallersleben“, die 1945 in Wolfsburg umbenannt wurde. Bis in die 1960er Jahre hinein bildete der Kanal somit die Trennlinie zwischen Wohnen und Arbeiten in Wolfsburg.

Abbildung 7 : Blick in das Hafenbecken
Abbildung 8 : VW Werk mit Hafenbecken 1973

1938 wurde neben dem werkseigenen Kraftwerk ein Stichhafen gebaut, um das Kraftwerk mit Stein- und Braunkohle zu versorgen. In den 1960er Jahren wurde die Kapazität des Hafens sogar noch vergrößert. Zu Spitzenzeiten wurden dort bis zu 200.000 Tonnen Kohle im Jahr umgeschlagen.

Mitte der 1980er Jahre verlor der Hafen an Bedeutung, aufgrund der steigenden Konkurrenz des Bahntransports. In den 1990er Jahren wurde der Hafenbetrieb schließlich aus Kostengründen aufgegeben.

Im Zuge des Kanalausbaus nach der Wiedervereinigung gestaltete die Stadt Wolfsburg die bisher industriell genutzten Flächen am Kanalufer zu einer modernen Stadtlandschaft um. Die Hauptattraktion dieser Stadtlandschaft bildet die „Autostadt“. Das gesamte Gelände wurde parkähnlich gestaltet und zur EXPO 2000 eröffnet. Zudem entstanden Attraktionen wie ein Fußballstadion, die „Stadtbrücke“, ein Sportboothafen und Hotels am Kanalufer und um das ehemalige Hafengelände herum.

Abbildung 9 : Luftbildaufnahme der „Autostadt“ mit ehemaligen Hafenbecken
Abbildung 10 : Blick in das ehemalige Hafenbecken 2021

Fazit Häfen im Wandel der Zeit

Die Hafenlandschaft des Mittellandkanals unterliegt einem Wandel. Viele Häfen wandeln sich in ihrer Struktur, wie der Hafen in Braunschweig. Sie entwickeln sich zunehmend zu Logistikzentren mit kombinierten Verkehrsanbindungen. Der reine Umschlag auf dem Wasserweg rückt zunehmend in den Hintergrund. Einige Häfen geben ihren Betrieb gänzlich auf, wie der VW Werkshafen. Das ehemalige Hafengelände wird dabei als urbaner Lebensraum komplett neu erfunden.

Autorin: Lena Dienelt


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