Zweiter Weltkrieg bis zum Mauerfall

Die Nachwirkungen des Zweiten Weltkrieges

Der Frachtverkehr am Mittellandkanal erreichte 1943 mit 11,6 Millionen Tonnen Güter seinen Höhepunkt, bevor er gegen Kriegsende durch Zerstörungen völlig stillgelegt wurde. Eine der folgeträchtigsten Zerstörungen war die (sinnlose) Sprengung der Kanalüberführung in Minden am 04. April 1945 durch die Wehrmacht, die vergeblich versuchte, das Vordringen der Alliierten zu verhindern. Der Mittellandkanal war für die Wirtschaft jedoch so wichtig, dass schon im Frühjahr 1946 der Schiffsverkehr – nach Räumung der Wasserstraße und die Umgehung der Kanalüberführung – von Neuem aufgenommen wurde. Trotz extremer Materialknappheit in der frühen Nachkriegszeit konnte im Februar 1949 die Kanalüberführung wieder in Betrieb genommen werden. In den nächsten Jahren florierte der Schiffsverkehr am Mittellandkanal, ungeachtet der Spaltung Deutschlands, wieder so stark, dass Ende der 50-er Jahre erneut 11,5 Millionen Güter pro Jahr registriert wurden. Dennoch traten bedingt durch den Zweiten Weltkrieg folgende Probleme auf: 1. Die Chlorid-Verseuchung des Weserwassers, die erst nach der Wiedervereinigung entscheidend reduziert werden konnte. 2. Eine völlige Grundinstandsetzung des Mittellandkanals aufgrund der weitgehenden Zerstörungen nach dem Zweiten Weltkrieg und einem Strukturwandel in der Binnenschifffahrt. Diesbezüglich ist 1965 ein 3-Mrd.-DM-Programm zum Ausbau der nordwestdeutschen Kanäle nach Wasserstraßenklasse IV organisiert worden.

Abbildung 1 : Vermutlich von einem Briten aufgenommenes Bild der gesprengten Kanalüberführung

Grenzübergänge Buchhorst (DDR) und Rühen (BRD) – Binnen-Frachtverkehr zwischen den Ländern

Grenzübergänge Buchhorst (DDR) und Rühen (BRD)

Der bereits 1934 gestartete Weiterbau mittels einer Kanalbrücke über die Elbe musste 1942 kriegsbedingt eingestellt werden. Die letzten Abschnitte des Kanals wurden erst nach der Wiedervereinigung fertiggestellt – damit waren die letzten Meter des Mittellandkanals, aufgrund der politischen Teilung Deutschland, 50 Jahre lang praktisch Bauruinen gewesen. Trotzdem war der Mittellandkanal auch nach dem 2. Weltkrieg eine viel befahrene Wasserstraße zwischen dem Rhein und der Elbe. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden jeweils von der BRD und der DDR am Mittellandkanal Grenzkontrollstellen und Zollhäfen für den Güter- und Schiffsverkehr errichtet. Die West-Kontrollstelle lag etwa fünf Kilometer von der Zonengrenze entfernt bei Rühen. Die DDR-Grenzübergangstelle (GÜSt) im Schiffsverkehr war bei Buchhorst. Für das Personal der GÜSt stand nahe dem Bahnhof eine Kaserne der DDR-Grenztruppen bereit. Alle Schiffe, die die Grenze nach Osten oder umgekehrt überqueren wollten, mussten hier ihre Waren verzollen und sich besonders an der DDRGrenze einer ausführlicheren Kontrolle unterziehen.

Abbildung 2 : Lageplan der Grenzübergangsstellen

Nutzung

Diese Grenzübergänge waren eine der zwei Haupttransportwege des Binnenverkehrs und der Frachtschifffahrt in Ost-Westrichtung und umgekehrt, weil vor allem der Mittellandkanal die Hauptachse von Frankreich bis Polen und in die Tschechische Republik (damals CSSR) bildete. Somit wurde dieser Kanalabschnitt praktisch international befahren, beispielsweise zum Warenaustausch mit der DDR und im Transit nach Westberlin, Polen oder in die CSSR. Für die Fahrgastschifffahrt in der Personenbeförderung bzw. im privaten Bootsverkehr war der Abschnitt jedoch gesperrt: Privatboote im Transit nach Westberlin mussten umständlich auf Frachtschiffe verladen und transportiert werden. Die GÜSt bei Buchhorst wurde vergleichsweise stark überwacht. Im Frühjahr 1958 wurde der Kanal an beiden Böschungen mit starken Stacheldrahtverhauen, Baum- und Strauchsperren versehen, um die Flucht von Schiffern in die Bundesrepublik zu verhindern. Auf sowjetischer Seite war zur Überwachung des Kanals und der Umgebung ein Aussichtsturm errichtet worden. In den 80-ern ist bei Buchhorst eine rechenähnliche Sperre aufgestellt worden, die auf dem Grund lag und bei Bedarf hochklappbar war.

Autor: Abdullah Sencan

Abbildung 3 : Bundesdeutsches Grenz-Zollamt Rühen MLK km 256.
Abbildung 4 : Grenzübergang Buchhorst bei Oebisfelde. Abfertigungsprozess.

Abbildungsverzeichnis

  1. amtage.de, Stand: 29.09.21
  2. Eigene Aufnahme
  3. Archiv-BAW
  4. Ritter, Ulrich. Bundesarchiv