Vorprojekte des Mittellandkanals

Schon weit vor den Unternehmungen, die im 20. Jahrhundert für die Errichtung des Mittellandkanals unternommen wurden, lassen sich bereits Ambitionen erkennen, den Westen Deutschlands durch einen Kanal mit dem Osten zu verbinden.

Erste erkennbare Ambitionen im 16. Jahrhundert.

Als erstes Projekt dieser Art kann der Plan des Herzog Julius von Braunschweig (1568-1589) angesehen werden, welcher die Herstellung einer Verbindung zwischen Weser und Elbe umfasste. Dabei sollten die Wasserfahrzeuge über die untere Weser zunächst in die Aller, dann in die Oker, anschließend durch einen Kanal bei Börßum abzweigen und über Oschersleben letztendlich oberhalb von Magdeburg in die Elbe fahren. Die von dem Herzog geplante Linienführung jenes Kanals entspricht weitgehend der möglichen, aber letztendlich verworfenen, Südlinie des Mittellandkanals, auf die an späterer Stelle noch eingegangen werden wird. Während Herzog Julius von der wirtschaftlichen Bedeutung seines Projektes überzeugt war, wurde selbiges von Seiten des Braunschweiger Bürgermeisters und des Rates blockiert. Gegen Julius „Grabenwerksunternehmungen“ wie jene sein Vorhaben abwertend bezeichneten, legten sie bei Kaiser Rudolph II. Widerspruch ein, mit der Begründung, dass Julius mit jenen Unternehmungen über seine Befugnisse hinaus agieren würde. Durch den Entscheid des Reichskammergerichtes wurde das Projekt des Herzogs schließlich eingestellt. [1]

Abbildung 1 : Gewässerkarte des Gebietes zwischen Oker und Elbe zur Kanalplanung von 1575

Weiterführung des Kanalplans im 19. Jahrhundert

Erste Ambitionen für, die geplante Verbindung des Rheins mit der Elbe, können in dem 1808 entwickelten so genannten „napoleonischen Projekt“ gesehen werden, nach welchem sogar eine Weiterführung über die Elbe hinaus bis zur Ostsee geplant war. Die damaligen Ziele, die mit dem Bau des Kanals verfolgt wurden, bestanden in erster Linie darin, dass dem Rhein eine deutsche Mündung zu Teil werden sollte, um so eine Unabhängigkeit von holländischen und englischen Einflüssen zu erreichen. [2] Für jenen Rhein-Elbe-Kanal gab es ab Hannover zwei in Frage kommende Verläufe; nämlich die Nord- und die Südlinie.

Abbildung 2 : Nord- und Südlinie

Nordlinie

Die Nordlinie bezeichnet die kürzere bzw. direktere Route von Hannover nach Magdeburg. Obwohl sie nur durch wenige wirtschaftlich relevante Gebiete führt, ermöglicht sie durch ihre Kürze eine billige Abfuhr von Gütern aus dem Ruhrgebiet in den Osten des Landes. [3]

Abbildung 3 : Nordlinie

Südlinie

Die Südlinie führt durch wirtschaftlich relevantere Gebiete als die Nordlinie, wobei man Hauptsächlich die Anbindung an die reichen Harz- Industrie im Auge hatte. Außerdem wäre durch sie eine Verbesserung des Oscherslebener Bruches möglich, auf dessen morastigem Untergrund bereits seit dem Mittelalter Trockenlegungsmaßnahmen vorgenommen wurden. Auf Grundlage dieser Verlaufsbedingungen fiel die Wahl für den Ausbau des Mittellandkanals zunächst auf die Südlinie. [4]

Abbildung 4 : Südlinie

Kritik am Mittellandkanal

Trotz der angepriesenen Vorteile, die der Bau der Mittellandkanals mit sich bringen sollte, gab es auch einige kritische Stimmen, welche sich dagegen aussprachen. Von großbäuerlicher Seite wurden Befürchtungen geäußert, dass es Interessenkonflikte durch den Import von ausländischen Agrarprodukten geben könne, welche dann über den Kanal einfacher ins Land gelangen würden. Die mitteldeutsche Bergbauindustrie sah die Gefahr wiederum darin, dass die Güter aus dem Ruhrgebiet eine Bevorteilung erfahren könnten.

Als Reaktion auf diese Einwände wurden die Baupläne der Regierung vom örtlichen Landtag verhindert. Vorläufig blieb der Mittellandkanal in seinem Ausbau auf den Westabschnitt beschränkt, welcher sich sich bis Hannover erstreckte. [5]

Der Mittellandkanal im Ersten und bis zum Zweiten Weltkrieg

Während des Ersten Weltkriegs wird der Abschnitt des Mittellandkanals bis Minden behelfsmäßig in Betrieb genommen. Dieser überstürzte Einsatz, zum Zweck der Landesverteidigung, führte an einigen Abschnitten des Kanals zu Beschädigungen und Dammbrüchen, welche jedoch nicht schwerwiegend waren. [6]

Durch den vorteilhaften und wirtschaftlichen Transport, den der Mittellandkanal während des Krieges mit sich brachte bzw. in seinem vollen Ausbau mit sich bringen könnte, war dafür gesorgt, dass der weitere Ausbau geplant wurde. Die gesetzliche Grundlage dafür wurde 1920 geschaffen und sah unter anderem vor, dass der Kanal über Oebisfelde bis nach Burg weiter verlaufen sollte. Ein Plan der im wesentlichen der zuvor beschriebenen Nordlinie entspricht. [7] Während die heimkehrenden Soldaten in dem Ausbauprojekt Beschäftigung fanden, wurde es jedoch durch die zunehmende Inflation abermals gebremst. 1938 wurde der Mittellandkanal schließlich mit dem Elbe-Anschluss der Öffentlichkeit übergeben. Ein weiterer Ausbau des Kanals Richtung Osten wurde jedoch durch den Zweiten Weltkrieg unterbrochen. [8]


Abbildungsverzeichnis

  1. Nach: Eckoldt, Martin (Hrsg.): Flüsse und Kanäle. Die Geschichte der deutschen Wasserstraßen. Hamburg 1998. S. 357.
  2. GoogleMaps, 2021
  3. GoogleMaps, 2021
  4. GoogleMaps, 2021

Quellen

  1. Westermann, Georg [Drucker]: Die Vollendung des Mittellandkanals. Untersuchungen über seine zweckentsprechende südliche Linienführung, ihre volks- und kriegswirtschaftliche Bedeutung. Braunschweig 1918. S. 9f.
  2. Ebd. S. 10.
  3. Ebd. S. 11.
  4. Ebd. S. 12.
  5. Eckoldt, Martin (Hrsg.): Flüsse und Kanäle. Die Geschichte der deutschen Wasserstrassen. Hamburg 1998. S. 364f.
  6. S. 403f.
  7. S. 404.
  8. S. 407.