Leo Sympher - „Vater des Kanals“

Untrennbar mit dem Mittellandkanal verbunden ist Dr.-Ing. Leo Sympher, der als die zentrale Figur der Erbauung und somit als "Vater des Kanals" gilt und außerdem eine Vorreiterrolle für die Förderung deutscher Wasserwirtschaft einnahm. So bereitete Sympher mit seinen Kanalvorlagen die Grundlagen für ein modernes deutsches Wasserstraßennetz und war Schirmherr für den Bau des heutigen Dortmund-Ems-Kanals.

Leo Sympher (1854 - 1922)

Dem am 19. Oktober 1854 in Hann. Münden geborenen Offizierssohn Sympher wurde die Verbindung zum Element Wasser quasi in die Wiege gelegt: Sein Geburtshaus lag unmittelbar an der Werra, kurz vor ihrer Vereinigung mit der Fulda zur Weser. 1871 folgte Sympher zunächst dem Beispiel seines Vaters und trat in die Marine ein, musste allerdings, nachdem die Dienstvoraussetzungen verschärft wurden, aufgrund mangelnden Sehvermögens ein Abschiedsgesuch einreichen. Daraufhin holte er 1874 das Abitur nach und absolvierte anschließend ein Studium des Bauingenieurswesen im Fachbereich Wasserbau. Symphers herausragende Noten und erste dienstliche Beurteilungen führten ihn schließlich 1883 zur preußischen Wasserbauverwaltung. Dort wurde er mit vielfältigen und stetig wachsenden Aufgaben betraut.

Zwei der zahlreichen Leistungen Symphers sollen an dieser Stelle besonders hervorgehoben werden. 1883 sah die preußische Wasserstraßenpolitik den Bau eines Schifffahrtskanals von Dortmund zur Emsmündung vor. Die Baupläne scheiterten allerdings im Herrenhaus des Landtages mit der Begründung, der Kanal sei nicht wirtschaftlich. Sympher wurde deshalb mit der Ausfertigung einer genauen Kosten-Nutzen-Analyse beauftragt. In seinen Überlegungen legte er die Wirtschaftlichkeit des Kanals bis in Detail dar. Dabei arbeitete er bemerkenswert objektiv und sparte auch nicht an Kritik am eigenen Projekt. Diese ingeniöse Veröffentlichung entpuppte sich als zukunftsweisend, dadurch dass Sympher auch den wirtschaftlichen Nebennutzen eines Kanalsystems untersuchte, wie die Möglichkeit der Bewässerung von Agrarflächen, die weitere Anbindung von Industriestandorten, die mögliche Neuansiedlung von Betrieben an Wasserwegen etc. fein säuberlich kalkulierte. Sympher erwies sich so als Visionär, der die tragende Rolle, die die Binnenschifffahrt im zukünftigen Warenverkehr spielen sollte, früh erkannte. Auch im Zuge folgender Projekte vermochte es Sympher, den größten Gegnern des Bauprojekts Mittellandkanal Paroli zu bieten. Dabei handelte es sich um Eisenbahnenthusiasten und die Gruppe der sog. „Kanalrebellen“, ostdeutsche Großgrundbesitzer, die direkte Beziehungen zum preußischen Landtag hatten und die Befürchtung hegten, über den Kanal könne billiges aus Amerika importiertes Getreide eingeschifft werden, das das eigene Preismonopol bedrohe. Auch wenn Sympher schlussendlich nicht mit der Bauaufsicht betraut wurde, so machte ihn diese Arbeit zum geistigen Vater des heutigen Dortmund-Ems-Kanals. Auf diese Weise vermochte es der junge Staatsbeamte, auf sich aufmerksam zu machen.

Symphers Opus Magnum sollte der Bau des Rhein-Elbe-Kanals werden. Die von ihm erneut mit äußerster Gründlichkeit angefertigten Planungen wurden allerdings von den Kanalgegnern im preußischen Landtag ganze dreimal abgeschmettert. So kam es zunächst nur zum Bau eines Teilstücks zwischen Rhein und Weser, für das Sympher die oberste Bauleitung übertragen wurde. Erst nach dem Ersten Weltkrieg wandelte sich die politische Landschaft, sodass mit der Realisation des ursprünglich von Sympher geplanten Bauvorhabens begonnen werden konnte.

Sympher betreute auch zahlreiche weitere Projekte, wie etwa den Bau der Edertalsperre, seinerzeit die größte Talsperre in Europa. Am 16. Januar 1922, kaum ein Jahr, nachdem er altersbedingt in den Ruhestand entlassen worden war, starb Sympher.

Wer sich näher über das Leben und Wirken Symphers informieren möchte, kann dies in einer Gedenkschrift der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes tun:

WSD (Hrsg.): Leo Sympher. Leben und Wirken. Hannover 1998.

Sympher in der Denkmalkultur

Am Wasserstraßenkreuz in Minden wurde Sympher für seine Lebensleistung ein eigenes aus Spendengeldern finanziertes Denkmal gesetzt. Es wurde am 19. Juni 1928 eingeweiht und zeigt, um an die monumentale Leistung des Kanalbaus zu erinnern, eine Pyramide, die an ihren Ecken auf Erdkugeln sitzt. 50 Jahre thronte das Denkmal auf einem eigens errichteten Podest am Nordufer des Kanals. In den Grundstein eingemauert wurde eine Zeitkapsel, die unter anderem einen Nachruf auf Sympher, die eigene (Bau-)Geschichte des Denkmals sowie eine Liste aller Spender beinhaltet. Hier sehen Sie die am Denkmal angebrachte Gedenktafel:

Abbildung 1

Im Laufe der Zeit zeigte sich allerdings, dass das Denkmal am Nordufer von vielen Kanalgängern nicht wahrgenommen wurde. Als man anlässlich des Kanalausbaus Mitte der 60er Jahre westlich der Schleusenanlagen am Abstieg zur Weser ein eigenes Informationszentrum zum Mittellandkanal schuf, wurde bei den zugehörigen Planungsarbeiten auch der Standort des Sympher-Denkmals diskutiert, das schließlich vor das Informationszentrum umgesetzt und am 15. Mai 1977 neu eingeweiht wurde. Die enthaltene Zeitkapsel wurde um zeitgenössische Dokumente rund um den Ausbau des Kanals ergänzt.

Aufmerksame Beobachter können in Minden weitere Hinweise auf Sympher finden. So trägt eine der Parallelstraßen zum Kanal in unmittelbarer Nähe zum Informationszentrum seinen Namen, ebenso wie ein Berufskolleg.

Abbildung 2

Außerdem frequentiert das Bereisungsschiff "Leo Sympher" der Wasserstraßendirektion Hannover den gesamten Bereich der nordwestdeutschen Wasserstraßen und trägt so Symphers Namen über die Stätte seines Schaffens. Leider beschränkt sich diese Form des Andenkens nur auf reine Benennungen und spart mit Infomaterial. Wer auf einem Ausflug zum Kanal zufällig auf den Namen Sympher stößt und sich fragt, auf wen er zurückgeht, der bleibt auf die Auskunft eines Fachkundigen angewiesen. So wird etwa Stand Juni 2021 im Informationszentrum weder auf die Rolle Leo Symphers beim Kanalbau noch auf die Bedeutung des sich unmittelbar davor befindlichen Denkmals hingewiesen. Es wäre für die Zukunft sicherlich wünschenswert, wenn vor Ort nicht nur an den Namen Sympher, sondern in geeigneter Weise auch an seine Person und das mit ihr verbundene Lebenswerk erinnert werden würde.

Autor / Autorin: Marlon George & Katharina Strautz

Wer sich näher über das Leben und Wirken Symphers informieren möchte, kann dies in einer Gedenkschrift der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes tun: WSD (Hrsg.): Leo Sympher. Leben und Wirken. Hannover 1998.